Schnittstelle
Eine Schnittstelle ist der vereinbarte Übergabepunkt, an dem zwei Software-Systeme Daten in festgelegtem Format, festgelegter Richtung und festgelegtem Takt austauschen, sodass die erneute Erfassung von Hand entfällt.
Schnittstellen verbinden die Systeme eines Betriebs untereinander und mit der Website; technisch umgesetzt werden sie unter anderem über eine [[api|API]], über Dateiaustausch oder über [[webhook|Webhooks]].
In einfachen Worten
Sobald zwei Programme dieselben Informationen brauchen, gibt es zwei Wege: Ein Mensch tippt sie im zweiten System erneut ein, oder eine Schnittstelle übergibt sie automatisch. Die Schnittstelle legt dafür drei Punkte verbindlich fest. Erstens das Format: welche Felder ein Datensatz hat und wie sie heißen. Zweitens die Richtung: welches System sendet und welches empfängt, je Datenart getrennt geregelt. Drittens den Auslöser: ob die Übertragung zeitgesteuert läuft, etwa als Nachtlauf, oder ereignisgesteuert, sobald sich ein Wert ändert. Dazu kommt die Fehlerbehandlung, denn eine Übertragung kann scheitern; eine belastbare Schnittstelle legt gescheiterte Datensätze in eine Fehlerliste, die gesichtet wird, und wiederholt den Versuch nach Regeln.
Wozu brauche ich das?
Am häufigsten verbindet eine solche Strecke im Mittelstand die Warenwirtschaft mit der Website: Artikel, Preise und Bestände wandern zur Website, Bestellungen und Kundenkonten zurück. Weitere typische Strecken verbinden Shop und Versanddienstleister, Buchhaltung und Bank oder Zeiterfassung und Lohnabrechnung. In jedem Fall ersetzt die Schnittstelle eine wiederkehrende Übertragung von Hand samt der Tippfehler, die dabei entstehen.
Beispiel aus der Praxis
Ein Maschinenbauer erfasst eingehende Bestellungen aus seinem Händlerportal zunächst von Hand in der Auftragsbearbeitung, etwa dreißig Vorgänge am Tag zu je vier Minuten. Nach dem Bau der Schnittstelle übergibt das Portal jede Bestellung sofort mit Artikelnummern, Mengen und Kundenzuordnung; die Auftragsbearbeitung prüft Vorgänge nur noch, wenn die automatische Plausibilitätsprüfung sie in die Fehlerliste legt, im Schnitt zwei am Tag. Die gewonnene Zeit fließt in die Betreuung erklärungsbedürftiger Anfragen.
Wirtschaftlicher Nutzen
Eine Schnittstelle rechnet sich über die ersetzte Handarbeit und die vermiedenen Übertragungsfehler, die als Falschlieferungen und Gutschriften teurer sind als die Tipparbeit selbst. Zugleich entsteht eine Abhängigkeit: Fällt die Strecke aus, fehlt der Datenfluss. Zum Betrieb gehören deshalb Überwachung, eine gesichtete Fehlerliste und festgelegte Regeln für den Störungsfall, und zur Beauftragung gehört eine Dokumentation, mit der auch ein anderer Dienstleister die Strecke übernehmen kann.
Typische Fehler
- Richtung je Datenart nicht festgelegt, sodass beide Systeme denselben Wert ändern und sich gegenseitig überschreiben.
- Alles in Echtzeit geplant, obwohl ein täglicher Abgleich für träge Datenarten genügt und deutlich robuster läuft.
- Keine Fehlerliste vorgesehen, gescheiterte Datensätze verschwinden unbemerkt.
- Das Identifikationsmerkmal vergessen: Ohne unveränderliche Nummer erkennen die Systeme denselben Datensatz nicht wieder.
- Die Strecke nach dem Aufbau nicht überwacht, ein Stillstand fällt erst durch Kundenbeschwerden auf.
Worauf achten?
- Vor der Beauftragung Format, Richtung, Auslöser und Fehlerstrategie je Datenart schriftlich festlegen.
- Den Takt an der Frage ausrichten, wie schnell die jeweilige Angabe veraltet.
- Eine unveränderliche Nummer je Datensatz als Verbindungsmerkmal vereinbaren.
- Nach jedem Update eines der beiden Systeme einen Probelauf mit bekannten Datensätzen fahren.
- Dokumentation einfordern, die einen Dienstleisterwechsel ohne Neubau erlaubt.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet Schnittstelle zwischen zwei Systemen?
Der vereinbarte Übergabepunkt, an dem zwei Programme Daten automatisch austauschen. Festgelegt sind das Format der Datensätze, die Richtung je Datenart und der Auslöser der Übertragung, zeitgesteuert oder bei jeder Änderung.
Welche Formen von Schnittstellen gibt es?
Zeitgesteuerte Übertragungen wie der tägliche Nachtlauf, laufende Abfragen über eine API und ereignisgesteuerte Meldungen über Webhooks, bei denen das Quellsystem jede Änderung sofort an das Zielsystem sendet. Viele Strecken kombinieren mehrere Arten je Datenart.
Was geschieht mit den Daten, wenn die Schnittstelle ausfällt?
Beide Systeme arbeiten mit ihrem letzten Stand weiter. Eine belastbare Strecke sammelt in der Zwischenzeit anfallende Datensätze in einer Warteschlange und überträgt sie nach der Wiederherstellung in der Reihenfolge ihres Eingangs. Die Regeln dafür werden vor dem ersten Ausfall festgelegt.
Wovon hängt der Aufwand für eine Schnittstelle ab?
Der Aufwand hängt an wenigen benennbaren Größen: Zahl der Datenarten, geforderter Takt je Datenart, Lesen oder Schreiben, Qualität der vorhandenen Anschlusspunkte beider Systeme und Umfang der Fehlerbehandlung. Ein Vergleich mehrerer Angebote wird erst mit diesen Angaben aussagekräftig.