Lieferabruf
Ein Lieferabruf ist der Abruf einer Teilmenge aus einem Rahmenvertrag zu einem bestimmten Termin und Lieferort, bei dem Preis und Konditionen bereits vereinbart sind und nur noch Menge und Zeitpunkt festgelegt werden.
Der Lieferabruf ist neben der Einzelbestellung die zweite Form, in der ein Vorgang in einem [[lieferantenportal|Lieferantenportal]] beginnt; er setzt einen Rahmenvertrag mit vereinbarter Gesamtmenge voraus.
In einfachen Worten
Viele Betriebe vereinbaren mit einem Lieferanten eine Gesamtmenge für ein Jahr und rufen sie in Teilmengen ab, so wie sie der Bedarf verlangt. Der Rahmenvertrag regelt Preis, Qualität und Lieferbedingungen einmal; jeder Abruf nennt nur noch, wie viel davon wann wohin geliefert werden soll. Für den Lieferanten ist der Abruf das Signal, Fertigung oder Kommissionierung einzuplanen; für den Einkauf entfällt die Verhandlung je Bestellung. Im Portal zeigt sich zu jedem Rahmenvertrag die vereinbarte Gesamtmenge, die bereits abgerufene Menge und der verbleibende Rest, dazu die anstehenden Abrufe mit Termin. Der Lieferant bestätigt jeden Abruf wie eine Bestellung, kündigt ihn mit einem Lieferavis an, und der Wareneingang bucht ihn gegen den Rahmenvertrag. Die führenden Werte, also Gesamtmenge, Abrufstand und Konditionen, liegen in der Warenwirtschaft.
Wozu brauche ich das?
Lieferabrufe passen zu Material mit planbarem Jahresbedarf und schwankendem Zeitpunkt: Rohstoffe, Verpackung, Normteile, Verbrauchsmaterial. Der Betrieb sichert sich Preis und Verfügbarkeit, bindet aber kein Lager und kein Kapital für die Gesamtmenge. Für den Lieferanten ist der Rahmenvertrag eine Planungsgrundlage, die er mit besseren Konditionen honoriert. Im Lieferantenportal sehen beide Seiten die anstehenden Abrufe.
Beispiel aus der Praxis
Ein Möbelhersteller vereinbart mit seinem Plattenlieferanten eine Jahresmenge und ruft sie monatlich nach Auftragslage ab. Im Portal sieht der Einkauf, dass nach acht Monaten zwei Drittel der Menge abgerufen sind und der Rest für das Jahresende reicht. Ein Abruf für die Vorweihnachtszeit fällt größer aus; der Lieferant schickt eine Bestellbestätigung mit einem um eine Woche späteren Termin, der Einkauf sieht die Abweichung am Vorgang und zieht den nächsten Abruf vor.
Wirtschaftlicher Nutzen
Der Lieferabruf trennt die einmalige Verhandlung von der laufenden Beschaffung. Der Einkauf bestellt ohne Rückfrage zu Preis und Bedingungen, der Lieferant plant mit einer zugesagten Menge, und der Abrufstand zeigt jederzeit, wie viel vom Vertrag noch offen ist. Ohne diese Übersicht werden Rahmenverträge regelmäßig über- oder unterschritten.
Typische Fehler
- Den Abrufstand in einer Tabelle neben der Warenwirtschaft führen, die niemand aktuell hält.
- Abrufe ohne Bestätigung des Lieferanten als terminiert betrachten.
- Die Restmenge nicht überwachen, sodass der Vertrag unbemerkt ausläuft oder überschritten wird.
- Abrufe formlos per Telefon auslösen, ohne dass ein Vorgang entsteht.
Worauf achten?
- Rahmenvertrag in der Warenwirtschaft anlegen, Abrufe als Vorgänge daran buchen.
- Gesamtmenge, Abrufstand und Rest je Vertrag im Portal für beide Seiten sichtbar machen.
- Jeden Abruf wie eine Bestellung bestätigen und avisieren lassen.
- Vor Vertragsende Restmenge und Bedarf abgleichen und die Verlängerung rechtzeitig verhandeln.
Häufig gestellte Fragen
Was ist ein Lieferabruf?
Der Abruf einer Teilmenge aus einem Rahmenvertrag zu einem bestimmten Termin und Lieferort. Preis und Konditionen stehen im Vertrag, der Abruf legt nur noch Menge und Zeitpunkt fest.
Worin unterscheidet sich ein Lieferabruf von einer Bestellung?
Eine Bestellung legt alle Bedingungen eines einzelnen Kaufs fest. Ein Abruf greift auf Bedingungen zurück, die im Rahmenvertrag bereits vereinbart sind, und zählt gegen dessen Gesamtmenge.
Was zeigt der Abrufstand?
Die vereinbarte Gesamtmenge, die bereits abgerufene Menge und den verbleibenden Rest eines Rahmenvertrags, dazu die anstehenden Abrufe mit Termin. Beide Seiten planen damit Bedarf und Fertigung.