Design & UX

UX-Audit

Ein UX-Audit ist die systematische Prüfung der Benutzerführung einer Website anhand von Verhaltensdaten und fachlicher Durchsicht, mit festgelegtem Umfang, benannten Messgrößen und einem Bericht, der jeden Befund mit einer Maßnahme verbindet.

Das UX-Audit ist das diagnostische Werkzeug der [[usability|Usability]]-Arbeit und liefert die Befunde, an denen [[conversion-optimierung|Conversion-Optimierung]] ansetzt.

In einfachen Worten

Geprüft wird, wie Besucher die Website tatsächlich verwenden: welche Wege sie zum Ziel nehmen, an welchem Schritt eines Conversion-Funnels sie aussteigen, wie weit sie Seiten lesen und welche Elemente sie anklicken. Die Datengrundlage liefert die Webanalyse, ergänzt um Darstellungen wie die Heatmap; dazu kommt die fachliche Durchsicht der geprüften Seiten. Das Wort Audit steht für den festen Rahmen: Vor Beginn ist benannt, welche Strecken geprüft werden und an welchen Größen sich Erfolg bemisst. Der Bericht trennt zwei Arten von Aussagen, den Befund mit Messwert und die gestalterische Einschätzung, und übersetzt jeden Befund in eine Maßnahme mit Messgröße und Prüfdatum. Erst die Nachmessung an derselben Größe zeigt, ob eine Änderung gewirkt hat.

Wozu brauche ich das?

Der typische Anlass ist eine Website mit ordentlichem Besuch und wenigen Anfragen oder Käufen: Sichtbarkeit vorhanden, Wirkung ausgebremst. Das Audit lokalisiert die Bremse anhand der Zahlen aus der Webanalyse, statt die ganze Website umzubauen. Weitere Anlässe sind der anstehende Relaunch, der sich auf gemessene Schwachstellen stützen soll, und wiederkehrende Kundenrückfragen zu Vorgängen, die die Website eigentlich erledigen müsste.

Beispiel aus der Praxis

Ein Anbieter von Industriedienstleistungen erhält monatlich mehrere Tausend Besucher, aber nur eine Handvoll Anfragen. Das Audit zerlegt die Anfrage-Strecke in ihre Schritte und misst die Übergänge: Die Leistungsseiten werden gelesen, der Übergang zum Formular bricht ein. Die Durchsicht zeigt die Handlungsaufforderung erst am Seitenende, unterhalb der Lesetiefe, die die Scroll-Karte für den Großteil der Besucher ausweist. Nach der Maßnahme, einem zusätzlichen Kontaktzugang im sichtbaren Bereich, belegt die Nachmessung einen deutlich höheren Übergang zum Formular bei gleicher Besucherzahl.

Wirtschaftlicher Nutzen

Das Audit lenkt Budget an die Stelle mit gemessener Wirkung, statt auf Verdacht neu zu gestalten. Es ersetzt Meinungsdebatten über Gestaltung durch Daten, wo Daten tragen, und macht zugleich sichtbar, welche Entscheidungen Geschmacksfragen bleiben. Der Bericht taugt als Arbeitsgrundlage über Monate, weil jede Maßnahme ihre Messgröße und ihr Prüfdatum mitbringt.

Typische Fehler

  • Die ganze Website geprüft statt der Strecken, auf denen Anfragen und Käufe entstehen.
  • Prozentwerte aus wenigen Dutzend Besuchern hochgerechnet, der Zufall schreibt den Bericht.
  • Gestalterische Urteile als Messergebnisse ausgegeben, der Auftraggeber kann Wirkung nicht mehr von Meinung trennen.
  • Nebenausgänge ignoriert: Anrufer gelten in der Messung als Abbrecher.
  • Keine Nachmessung vereinbart, umgesetzte Maßnahmen gelten ungeprüft als Erfolg.

Worauf achten?

  • Vor der Messung Ist-Werte je Strecke festhalten, sie sind der Vergleichspunkt jeder Maßnahme.
  • Zu jeder Quote die absolute Zahl verlangen.
  • Befund und Einschätzung im Bericht getrennt ausweisen lassen.
  • Je Befund eine Maßnahme mit Messgröße und Prüfdatum vereinbaren.
  • Bei dünner Datenlage den Messzeitraum verlängern statt zu deuten.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein UX-Audit?

Die systematische Prüfung der Benutzerführung anhand von Verhaltensdaten und fachlicher Durchsicht, mit festem Umfang und benannten Messgrößen. Ergebnis ist ein Bericht, der Befunde mit Messwerten belegt und in Maßnahmen mit Prüfdatum übersetzt.

Wann lohnt sich ein UX-Audit?

Wenn eine Website Besucher hat, aber wenige Anfragen oder Käufe entstehen, vor einem Relaunch, der sich auf gemessene Schwachstellen stützen soll, oder wenn Kunden wiederholt Vorgänge telefonisch klären, die die Website erledigen müsste.

Was wird in einem UX-Audit gemessen?

Die Übergänge zwischen den Schritten einer Strecke, die Scrolltiefe der Seiten, das Klickverhalten, Abbrüche an einzelnen Formularfeldern und die Ladezeit je Schritt. Jede Messgröße beantwortet eine eigene Frage, und erst ihr Zusammenspiel ergibt den Befund.

Was unterscheidet ein UX-Audit von einem Technik-Audit?

Das Technik-Audit prüft den Zustand der Website selbst: Code, Ladezeit, Sicherheit, Suchmaschinen-Tauglichkeit. Das UX-Audit prüft das Verhalten der Besucher auf der Website. Beide ergänzen sich, denn ein technischer Mangel kann die Ursache eines gemessenen Abbruchs sein.