Design & UX

Heatmap

Eine Heatmap ist eine farbige Auswertungsgrafik über dem Abbild einer Webseite: Sie färbt jede Stelle danach ein, wie häufig dort geklickt, bis dorthin gescrollt oder die Maus bewegt wurde; intensiv genutzte Zonen erscheinen warm, unbeachtete kalt.

Die Heatmap ist ein Darstellungswerkzeug der [[webanalyse|Webanalyse]] und liefert im [[ux-audit|UX-Audit]] die Ortsangabe zu Befunden, die Zahlen allein nicht zeigen.

In einfachen Worten

Drei Varianten sind verbreitet. Die Klick-Karte summiert die Klicks vieler Besuche und färbt die Stellen nach Häufigkeit; ablesbar ist daran, welche Elemente Beachtung finden und an welchen Flächen Besucher einen Link erwarten, wo keiner liegt. Die Scroll-Karte verzeichnet je Seitenabschnitt, wie viele Besucher bis dorthin gelangen; so wird sichtbar, ob zentrale Inhalte unterhalb der Zone liegen, die der Großteil noch erreicht. Die Bewegungs-Karte zeichnet Mauswege nach und ist die schwächste der drei, weil der Mauszeiger dem Blick nur grob folgt. Alle Varianten zeigen, wo etwas geschieht, aber nicht, warum; die Deutung braucht den Zusammenhang mit den Zahlen der Strecke und der fachlichen Durchsicht der Seite.

Wozu brauche ich das?

Eingesetzt wird die Heatmap zur Prüfung einzelner, wichtiger Seiten: der Startseite, zentraler Leistungsseiten und der Landingpages von Werbekampagnen. Typische Fragen: Wird die Handlungsaufforderung gesehen und geklickt? Erreichen Besucher die Inhalte im unteren Seitendrittel? Welche Elemente halten Besucher für klickbar, obwohl sie es nicht sind? Die Antworten fließen als Orts-Befunde in die Überarbeitung der Seite ein.

Beispiel aus der Praxis

Ein Dienstleister wundert sich über die stumme Wirkung einer aufwendig bebilderten Leistungsseite. Die Scroll-Karte zeigt, dass der Großteil der Besucher die Seite nach dem großflächigen Einstiegsbild verlässt, bevor der erste Textabschnitt erscheint; die Klick-Karte häuft Klicks auf einem Bild ohne Verlinkung, das wie eine Schaltfläche wirkt. Die Überarbeitung kürzt den Einstiegsbereich, zieht die Kernaussage nach oben und verlinkt das Bild. Die Nachmessung zeigt höhere Scrolltiefe und deutlich mehr Klicks auf die Handlungsaufforderung.

Wirtschaftlicher Nutzen

Die Heatmap kostet wenig und liefert Orts-Befunde, die Diskussionen abkürzen: Ob eine Schaltfläche gesehen wird, ist danach keine Geschmacksfrage mehr. Ihr Wert hängt an der Disziplin der Deutung, denn eine Karte aus zu wenigen Besuchen zeigt Zufall, und eine Karte ohne Streckenzahlen verleitet zu Umbauten an Stellen ohne Hebel.

Typische Fehler

  • Karten aus wenigen Dutzend Besuchen gedeutet, das Muster ist Zufall.
  • Desktop- und Mobilansicht in einer Karte vermischt, obwohl Layout und Verhalten abweichen.
  • Die Bewegungs-Karte als Blickverlauf verkauft, der Mauszeiger folgt dem Blick nur grob.
  • Aus der Karte allein umgebaut, ohne Abgleich mit den Übergangszahlen der Strecke.
  • Nach dem Umbau keine neue Karte gezogen, der Vorher-nachher-Vergleich fehlt.

Worauf achten?

  • Erst ab ausreichender Besuchszahl je Seite und Gerätegruppe deuten.
  • Desktop und Mobil getrennt auswerten.
  • Klicks auf nicht verlinkte Elemente als Erwartungs-Hinweis ernst nehmen.
  • Scroll-Karte mit der Position der Handlungsaufforderung abgleichen.
  • Heatmap-Befunde immer neben die Zahlen der Strecke legen, nie allein verwenden.

Häufig gestellte Fragen

Was zeigt eine Heatmap?

Die farbliche Verteilung des Besucherverhaltens über einer Seite: Klick-Karten färben nach der Klickhäufigkeit je Stelle, Scroll-Karten nach der erreichten Lesetiefe, Bewegungs-Karten nach den Wegen des Mauszeigers. Warme Farben stehen für starke Nutzung.

Wofür ist eine Scroll-Karte nützlich?

Sie verzeichnet je Seitenabschnitt den Anteil der Besucher, der bis dorthin gelangt. Liegt die Handlungsaufforderung oder ein Kerninhalt unterhalb der Zone, die der Großteil noch erreicht, erklärt das eine schwache Wirkung der Seite ohne jede Vermutung.

Ab welcher Besuchszahl ist eine Heatmap belastbar?

Genug, dass sich ein stabiles Muster bildet; bei wenigen Dutzend Besuchen zeigt die Karte Zufall. Praktikabel ist, die Karte über einen festen Zeitraum laufen zu lassen und Desktop und Mobil getrennt zu betrachten, bis jede Gruppe eine tragfähige Zahl erreicht.

Ersetzt eine Heatmap die Webanalyse?

Nein, sie ergänzt sie. Die Webanalyse zählt Strecken und Übergänge über die ganze Website, die Heatmap zeigt den Ort des Verhaltens auf einer einzelnen Seite. Belastbare Befunde entstehen aus beidem zusammen.