Was eine gute „Über uns"-Seite ausmacht –
und warum die meisten leer wirken
Nach der Startseite die meistbesuchte Unterseite – und fast überall verschenkt. Wie nutzen Sie die zweitwichtigste Seite Ihrer Website, damit aus Besuchern Anfragen werden?
Schauen Sie selbst nach: Wenn Sie auf einer fremden Website die „Über uns"-Seite öffnen – was lesen Sie dort meist? Ein Gründungsjahr, drei nichtssagende Sätze über „Leidenschaft" und „langjährige Erfahrung", vielleicht ein Stockfoto mit Handshake.
Das ist der Moment, in dem sich Vertrauen entscheidet – und die meisten Unternehmen verschenken ihn. Nicht aus bösem Willen, sondern weil niemand ihnen je gesagt hat, was diese Seite eigentlich leisten soll. Höchste Zeit, das nachzuholen – am besten als integrierter Bestandteil einer durchdachten Website, nicht als Pflicht-Übung am Rand.
So liest jemand Ihre „Über uns"-Seite
Vier Stationen, die in dieser Reihenfolge wirken
Wer mit dem Gründungsjahr beginnt, verliert die Leser – bevor das eigentliche Argument kommt.
Warum die Seite wichtiger ist, als die meisten denken
Wer einen Handwerker, eine Praxis oder einen Dienstleister sucht, vergleicht. Drei, vier, fünf Anbieter werden nebeneinander geöffnet. Die Startseiten sehen sich oft erstaunlich ähnlich – ähnliche Versprechen, ähnliche Bilder, ähnliche Buttons.
Der erste echte Unterschied entsteht auf der „Über uns"-Seite. Hier suchen Besucher nicht nach Leistungen, sondern nach Menschen. Sie wollen wissen: Wer steckt hinter der Firma? Sind das Leute, mit denen ich gerne reden würde? Würde ich denen mein Geld – oder schlimmer: mein Vertrauen – geben?
Ein erheblicher Teil der B2B-Käufer:innen besucht die „Über uns"-Seite, bevor eine erste Anfrage gestellt wird. Die Seite ist damit kein Nebenschauplatz, sondern Teil des Entscheidungs-Pfads.
Anders gesagt: Ein großer Teil der ernsthaften Interessenten klickt dort hin. Und entscheidet sich auf Basis dessen, was er sieht – für oder gegen Sie.
Warum so viele „Über uns"-Seiten leer wirken
Es gibt einen typischen Reflex, wenn ein Unternehmer diese Seite schreibt: bloß niemandem wehtun. Bloß nichts Falsches sagen. Bloß nicht zu persönlich werden. Heraus kommt Text, der über jede x-beliebige Firma stehen könnte.
Die Klassiker, die niemand mehr lesen kann
- „Wir sind ein dynamisches Team mit langjähriger Erfahrung."
- „Qualität, Kompetenz und Zuverlässigkeit stehen bei uns im Mittelpunkt."
- „Seit unserer Gründung im Jahr 1998 haben wir uns kontinuierlich weiterentwickelt."
- „Der Kunde steht bei uns immer im Mittelpunkt."
- „Mit Leidenschaft für unser Handwerk."
Lesen Sie Ihre „Über uns"-Seite und ersetzen Sie gedanklich Ihren Firmennamen durch einen Wettbewerber. Wenn der Text genauso gut über die andere Firma stehen könnte, sagt er nichts aus.
Diese Floskeln sind nicht falsch – sie sind nur austauschbar. Und austauschbarer Text erzeugt austauschbares Vertrauen, also keines. Eine Seite, die niemandem wehtut, überzeugt eben auch niemanden.
Was wirklich auf die Seite gehört
Eine gute „Über uns"-Seite beantwortet drei Fragen, die ein Besucher im Kopf hat – ohne dass er sie laut stellt:
- Warum gibt es Sie? Was treibt Sie an, was ist Ihre Haltung, wofür stehen Sie?
- Wer macht die Arbeit? Wer sind die Menschen, mit denen ich es zu tun habe?
- Warum soll ich Ihnen vertrauen? Was qualifiziert Sie, was haben Sie schon geleistet?
Alles, was nichts zu einer dieser Fragen beiträgt, kann weg. Auch die schöne Chronologie der Firmengeschichte. Auch das Organigramm. Auch die ausführliche Auflistung Ihrer ISO-Zertifikate.
Schreiben Sie zuerst die drei Antworten in jeweils 2-3 Sätzen auf – ohne Marketing-Sprache, so wie Sie es einem Bekannten am Tisch erklären würden. Das ist Ihr Rohmaterial. Daraus wird die Seite, nicht aus einem Marketing-Briefing.
Bilder: Echte Menschen statt Stockfoto-Fassade
Kein Element entscheidet so schnell über Glaubwürdigkeit wie das Bild. Stockfotos werden in Sekunden erkannt – die zu perfekten Lächeln, das ethnisch ausgewogene Team im sterilen Glasbüro, der klassische Handshake. Wer das auf seiner „Über uns"-Seite zeigt, sagt damit: „Wir wollten Bilder, hatten aber keine echten."
Stattdessen: Zeigen Sie sich. Zeigen Sie Ihr Team. Zeigen Sie Ihre Werkstatt, Ihr Büro, Ihre Praxis. Nicht polierte Hochglanzfotos, sondern echte Aufnahmen aus dem Arbeitsalltag.
Was gute Bilder ausmachen
- Einheitlicher Look (gleicher Hintergrund, gleiches Licht)
- Freundliche, aber nicht aufgesetzte Mimik
- Im Idealfall: typische Arbeitssituation, nicht gestelltes Posing
- Hohe Auflösung – kein verpixeltes Smartphone-Bild
- Aktuell – nicht zehn Jahre alt
Ein halber Tag mit einem lokalen Fotografen liefert Ihnen Material für Jahre – Website, lokales Unternehmensprofil, Social Media, Bewerbungsunterlagen. Die Wirkung pro investiertem Euro ist bei kaum einer anderen Maßnahme so hoch.
Welche visuellen Signale generell Vertrauen schaffen, haben wir im Beitrag zu den 7 Design-Elementen, die Besucher überzeugen, ausführlich beschrieben.
Storytelling ohne Pathos
„Storytelling" klingt nach Marketing-Konferenz – gemeint ist etwas Einfaches: Erzählen Sie, wie es zu Ihrer Firma kam. Aber bitte keine Heldengeschichte mit Tränen und Triumph. Sondern ein, zwei ehrliche Sätze, die zeigen, warum Sie tun, was Sie tun.
Was funktioniert
- Eine konkrete Beobachtung („Wir haben oft erlebt, dass …")
- Ein Auslöser („Daraus ist die Idee entstanden, …")
- Eine klare Konsequenz („Heute machen wir genau das anders, weil …")
Die komplette Firmenchronologie ab 1987. Das interessiert niemanden außer Ihnen. Wichtig ist nicht die Geschichte – wichtig ist, was sich daraus für den Leser heute ergibt.
Eine kurze Anekdote, ein konkretes Erlebnis, ein ehrliches Statement wirkt zehnmal stärker als drei Absätze über „Tradition und Innovation". Menschen merken sich Geschichten, keine Aufzählungen.
Vertrauenssignale richtig setzen
Vertrauen entsteht selten durch eine große Aussage – sondern durch viele kleine Signale, die zusammenpassen. Auf der „Über uns"-Seite haben Sie die Chance, mehrere davon gebündelt zu zeigen.
Was sich bewährt hat
- Vollständige Anschrift mit Karte – nicht nur ein Kontaktformular
- Echte Telefonnummer – nicht nur ein „0800"-Sammelanschluss
- Mitgliedschaften (Innung, Kammer, Verbände) mit Logo
- Auszeichnungen, Zertifikate, Qualifikationen – kompakt aufgeführt
- Ein, zwei echte Kundenstimmen mit Namen und Funktion
- Aktuelle Daten (Mitarbeiterzahl, Standort, Gründung in einer Zeile)
Eine eingebettete Karte mit Ihrem Standort und ein Foto vom Eingang Ihres Büros oder Ihrer Werkstatt – das wirkt sofort glaubwürdig und hilft zusätzlich beim lokalen Ranking. Wer in der Region sucht, fühlt sich bei sichtbarer Adresse sofort besser aufgehoben.
Wichtig: Diese Signale brauchen keinen eigenen Abschnitt mit Überschrift „Unsere Auszeichnungen". Streuen Sie sie in den Fließtext ein, dort wo sie zur Aussage passen. Das wirkt selbstverständlicher.
Die richtige Reihenfolge: So baut sich die Seite auf
Genauso wichtig wie der Inhalt ist die Reihenfolge. Eine Seite, die mit dem Gründungsjahr beginnt, verliert die Leser, bevor sie das eigentliche Argument liefert. Diese Reihenfolge funktioniert in der Praxis am besten:
- Starker Einstieg: ein Satz, der Haltung zeigt.
- Das Warum: 2-3 Sätze, die den Antrieb erklären.
- Die Menschen: Bild und Kurzporträt der wichtigsten Köpfe.
- Die Belege: Zahlen, Referenzen, Auszeichnungen – kompakt.
- Die Einladung: dezenter Hinweis zum Kontakt.
Diese Struktur folgt dem natürlichen Lesefluss: Erst Sympathie, dann Beziehung, dann Beweis, dann Handlung. Wer die Reihenfolge vertauscht (etwa mit „Unsere Zertifikate" anfängt), erzwingt Vertrauen, das noch nicht entstehen konnte.
Wenn die „Über uns"-Seite überzeugt und trotzdem keine Anfragen kommen, liegt es selten am Inhalt – häufiger an handwerklichen Details der Website insgesamt. Die typischen Stolperfallen haben wir in den 7 Conversion-Fehlern, warum eine Website keine Anfragen bringt, zusammengetragen.
Eine Seite, die zeigt, wer Sie wirklich sind
Die „Über uns"-Seite ist kein Pflichtkapitel und kein Lebenslauf. Sie ist die Bühne, auf der aus einem Logo ein Gegenüber wird. Wer sie ernst nimmt, gewinnt einen Vorsprung, den Wettbewerber mit besseren Preisen oder mehr Werbebudget nur schwer aufholen.
Sie müssen dafür nicht alles neu schreiben. Oft reichen drei Schritte: Ein echtes Foto an die Spitze. Die Floskeln raus. Eine ehrliche Antwort auf die Frage „Warum machen wir das eigentlich?". Allein damit ist Ihre Seite deutlich besser als der Durchschnitt.
Das Prinzip gilt übrigens auch für Branchen-Websites mit hoher Vertrauensanforderung – wir haben es ausführlich am Beispiel der Praxis-Website für Zahnärzte gezeigt: Die Seiten, die echte Menschen zeigen, gewinnen messbar mehr Patienten als die mit Stockfotos.
Im Zweifel gilt: Lieber eine Seite, die nicht jedem gefällt, als eine, die niemandem auffällt.
Häufig gestellte Fragen
Sehr wichtig. Auswertungen aus vielen Kundenprojekten zeigen: Nach der Startseite ist „Über uns" fast immer die meistbesuchte Unterseite – oft noch vor Leistungen oder Kontakt. Wer mit Ihnen arbeiten oder bei Ihnen kaufen will, will vorher wissen, wer dahintersteht. Genau dort entscheidet sich, ob aus Interesse eine Anfrage wird.
Weil sie versuchen, niemandem wehzutun. Statt klarer Aussagen stehen dort austauschbare Floskeln wie „Wir sind ein dynamisches Team mit langjähriger Erfahrung". Das könnte über jedes Unternehmen stehen – und genau das ist das Problem. Eine gute „Über uns"-Seite wird konkret: echte Namen, echte Gesichter, echte Geschichten, ein klarer Standpunkt.
Erst recht. Als Einzelunternehmer sind Sie das Unternehmen. Ein professionelles Foto von Ihnen – freundlich, in einer typischen Arbeitssituation – ist eines der stärksten Vertrauenssignale überhaupt. Es macht aus einem anonymen Logo einen Menschen, mit dem man gerne ein Erstgespräch führt.
Allgemeinplätze, Marketing-Floskeln und endlose Unternehmens-Chronologien, die niemanden interessieren. Auch keine Preislisten, keine ausführlichen Leistungsbeschreibungen und keine harten Verkaufsargumente. Die Seite soll Beziehung aufbauen, nicht verkaufen. Die Verkaufsarbeit übernehmen Startseite und Leistungsseiten.
Lang genug, um echte Persönlichkeit zu zeigen – kurz genug, dass sie gelesen wird. In der Praxis funktionieren Seiten zwischen 400 und 900 Wörtern am besten, ergänzt durch Fotos und visuelle Akzente. Wichtiger als die Länge ist die Reihenfolge: Mit dem beginnen, was den Leser interessiert (das Warum), nicht mit dem Gründungsjahr.
Indirekt ja. Sie verkauft nicht aktiv, aber sie überzeugt. Wer am Ende der Seite das Gefühl hat „mit denen will ich arbeiten", klickt auf Kontakt. Deshalb gehört am Ende ein dezenter Hinweis hin: ein freundlicher CTA, eine Telefonnummer oder eine Einladung zum unverbindlichen Gespräch – ohne Verkaufsdruck.
Wir zeigen Ihnen in 2 Werktagen, warum Ihre Über-uns-Seite kein Vertrauen aufbaut.
