Datenmigration
Eine Datenmigration überführt Bestandsdaten aus einem Altsystem in ein neues, mit festgelegten Abbildungsregeln, Probeläufen und einem Stichtag für die endgültige Übernahme.
Die Datenmigration ist der Teil eines Systemwechsels, an dem die Qualität des Altbestands über den Aufwand entscheidet.
In einfachen Worten
Beim Wechsel auf ein neues System bleiben die vorhandenen Daten bestehen: Kunden, Artikel, Bestellungen, Dokumente, Inhalte einer Website. Die Datenmigration überführt sie in die Struktur des neuen Systems. Drei Arbeitsschritte bestimmen den Aufwand. Zuerst wird der Altbestand gesichtet, also festgestellt, welche Felder tatsächlich gepflegt sind, welche leer stehen und wo Werte in Freitextfelder geraten sind, die dort nicht hingehören. Danach entstehen die Abbildungsregeln: Für jedes Feld des Altsystems wird festgelegt, wohin es im neuen Datenmodell gehört, wie es umgeformt wird und was mit Werten geschieht, die keine Entsprechung haben. Zuletzt folgt der Probelauf auf einer Staging-Umgebung, bei dem die Regeln auf einer Kopie des Bestands angewendet und die Ergebnisse gezählt und stichprobenartig geprüft werden. Der Produktivlauf wiederholt diesen Vorgang zu einem verabredeten Stichtag, an dem im Altsystem keine Änderungen mehr entstehen.
Wozu brauche ich das?
Eine Migration steht an beim Wechsel des Shop- oder Redaktionssystems, bei der Ablösung gewachsener Tabellen durch eine eigene Anwendung und bei der Zusammenführung mehrerer Bestände nach einer Übernahme. Den Umfang bestimmt die Zahl der Sonderfälle im Altbestand, und zwar unabhängig von der Datenmenge; wie eng das Zielsystem geschnitten ist, zeigt dessen Datenmodell. Zehntausend saubere Datensätze sind schneller übernommen als zweitausend, in denen drei Generationen von Erfassungsregeln nebeneinander liegen.
Beispiel aus der Praxis
Ein Großhändler löst ein gewachsenes Artikelverzeichnis ab. Die Sichtung ergibt, dass Maßangaben über die Jahre in drei Schreibweisen erfasst wurden, dass ausgelaufene Artikel ohne Kennzeichnung bleiben und sich nur am fehlenden Preis erkennen lassen und dass ein Textfeld sowohl Lieferhinweise als auch interne Vermerke enthält. Die Abbildungsregeln legen fest, wie die Maßangaben vereinheitlicht werden, dass Artikel ohne Preis und ohne Bewegung seit zwei Jahren als ausgelaufen übernommen werden und dass das Textfeld in zwei Felder getrennt wird. Der Probelauf zeigt vierhundert Sätze, auf die keine Regel passt; sie werden vor dem Stichtag von Hand geklärt.
Wirtschaftlicher Nutzen
Eine geordnete Migration entscheidet darüber, ob das neue System vom ersten Tag an benutzbar ist. Werden Fehler des Altbestands ohne Prüfung übernommen, wandern sie in ein System, in dem sie schwerer zu finden sind, weil niemand mehr weiß, wie sie entstanden sind. Der Stichtag begrenzt zugleich die Phase, in der zwei Systeme parallel gepflegt werden müssen; diese Phase bindet Personal und erzeugt widersprüchliche Stände. Die Sichtung des Altbestands hat einen Nebennutzen: Sie legt offen, welche Felder im Alltag nie gepflegt wurden und deshalb im neuen System entfallen können.
Typische Fehler
- Der Altbestand wird ungeprüft übernommen, und die Fehler der letzten Jahre setzen sich im neuen System fort.
- Es gibt keinen Probelauf, sodass die Regeln erst im Produktivlauf auf ihre Sonderfälle treffen.
- Der Stichtag ist nicht verabredet, und im Altsystem entstehen während der Übernahme weiter Änderungen.
- Für Datensätze ohne Entsprechung fehlt eine Regel, und sie verschwinden unbemerkt.
- Die Rückfallmöglichkeit ist nicht geklärt, obwohl der Produktivlauf den Bestand im Zielsystem überschreibt.
Worauf achten?
- Vor der ersten Regel eine Zählung je Feld erstellen: gepflegt, leer, abweichend erfasst.
- Jede Abbildungsregel schriftlich festhalten, damit das Ergebnis später nachvollziehbar bleibt.
- Den Probelauf mit einer vollständigen Kopie fahren, nicht mit einem Auszug.
- Vor dem Produktivlauf eine Datensicherung des Zielsystems anlegen und den Rückfall festlegen.
- Nach dem Lauf Datensätze zählen und Summen vergleichen, statt nur einzelne Stichproben anzusehen.
- Das Ergebnis des Produktivlaufs gemeinsam abnehmen und das Zählprotokoll zur Abnahme nehmen.
Häufig gestellte Fragen
Was bestimmt den Aufwand einer Datenmigration?
Weniger die Datenmenge als die Zahl der Sonderfälle im Altbestand. Uneinheitliche Schreibweisen, Freitextfelder mit gemischtem Inhalt und Felder ohne Entsprechung im Zielsystem erzeugen den Aufwand, weil für jeden Fall eine Regel oder eine Handklärung nötig wird.
Wozu dient der Probelauf?
Er wendet die Abbildungsregeln auf eine vollständige Kopie des Bestands an, bevor produktiv migriert wird. Dabei zeigt sich, wie viele Datensätze von keiner Regel erfasst werden. Diese Sätze werden vor dem Stichtag geklärt statt danach im laufenden Betrieb.
Warum braucht eine Migration einen Stichtag?
Weil im Altsystem während der Übernahme keine Änderungen mehr entstehen dürfen. Ohne Stichtag laufen zwei Bestände auseinander, und es lässt sich später nicht mehr feststellen, welcher Stand der richtige ist.
Sollten alle Altdaten übernommen werden?
Nicht zwingend. Die Sichtung zeigt regelmäßig Felder, die im Alltag nie gepflegt wurden, und Datensätze ohne Bewegung über Jahre. Beides kann bewusst zurückbleiben. Zu prüfen bleibt, welche Daten aus steuerlichen oder handelsrechtlichen Gründen aufbewahrt werden müssen.