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Customizing

Customizing bezeichnet die Anpassung einer Standardsoftware über die Einstellungen, Felder, Regeln und Erweiterungspunkte, die der Hersteller dafür vorgesehen hat; der Programmkern bleibt unverändert, sodass Updates des Herstellers weiter eingespielt werden können.

Customizing umfasst die Anpassungsstufen zwischen dem Einsatz einer [[standardsoftware|Standardsoftware]] im Auslieferungszustand und einer Eigenentwicklung und bestimmt mit, wie aufwendig der Betrieb des Systems über die Jahre wird.

In einfachen Worten

Jede Standardsoftware bringt Stellschrauben mit, über die sie an einen Betrieb herangeführt wird. Dazu gehören Stammdaten wie Nummernkreise und Steuerschlüssel, eigene Felder an Kunden oder Artikeln, Statusketten für Aufträge, Berechtigungen, Druckvorlagen und Regeln, etwa für Rabatte oder Freigaben. Customizing nutzt ausschließlich diese Stellschrauben. Davon zu unterscheiden ist die Modifikation: Dabei wird der Programmcode des Herstellers selbst verändert, um ein Verhalten zu erzwingen, das die Stellschrauben nicht hergeben. Die Grenze zwischen beidem hat Folgen für den Betrieb. Eine Einstellung übersteht ein Update, weil der Hersteller sie als Teil des Produkts pflegt. Eine Modifikation muss bei jedem Update geprüft und häufig neu eingebaut werden. Viele Hersteller bieten zusätzlich Erweiterungsschnittstellen an, über die eigener Code angedockt wird, ohne den Kern zu berühren; solche Erweiterungen zählen zum Customizing im weiteren Sinn.

Wozu brauche ich das?

Customizing ist der Normalfall bei der Einführung von Warenwirtschaft, Auftragsverwaltung, Shop-System oder Kundenverwaltung. Es übersetzt das Vokabular und die Regeln des Betriebs in die Begriffe des Produkts. Geplant wird es entlang des Ablaufs: Welche Angabe entsteht an welcher Stelle, wer prüft sie, was löst sie aus? Jede Anforderung wird der niedrigsten Stufe zugeordnet, die sie abbilden kann – eine Einstellung vor einem Zusatzfeld, ein Zusatzfeld vor einer Regel, eine Regel vor einer programmierten Erweiterung.

Beispiel aus der Praxis

Ein Fachhändler für Laborbedarf führt eine neue Warenwirtschaft ein. Gefahrstoffe brauchen beim Versand zusätzliche Angaben und dürfen nur an Kunden gehen, die einen Sachkundenachweis hinterlegt haben. Das Einführungsteam prüft zuerst, was das Produkt bereits kennt: Artikelmerkmale für Gefahrgutklassen sind vorhanden, eine Sperre nach Kundennachweis fehlt. Das Team verzichtet auf einen Umbau des Bestellvorgangs im Programmcode. Es legt ein Kundenfeld für den Nachweis mit Ablaufdatum an und hinterlegt eine Freigaberegel, die Aufträge mit Gefahrstoffen ohne gültigen Nachweis anhält. Beides sind vorgesehene Stellschrauben. Beim nächsten Versionswechsel des Herstellers bleiben Feld und Regel erhalten, und das Update wird ohne Nacharbeit eingespielt.

Wirtschaftlicher Nutzen

Sauberes Customizing erhält die Vorteile des Standards – geteilte Entwicklungskosten, regelmäßige Sicherheitsupdates, verfügbare Fachkräfte – und bildet trotzdem die Eigenheiten des Betriebs ab. Die Kosten liegen in der Einrichtung und in der Pflege der Regeln. Teuer wird es, wenn die Grenze zur Modifikation überschritten wird, ohne dass es jemand bemerkt: Dann steigt der Aufwand jedes Updates, und die Update-Fähigkeit geht schrittweise verloren. Eine dokumentierte Liste aller Anpassungen mit ihrer Stufe macht diesen Verlauf sichtbar, bevor er Geld kostet.

Typische Fehler

  • Modifikationen am Programmcode als Customizing abgerechnet, ohne dass der Betrieb den Unterschied erfährt.
  • Zusatzfelder für Sachverhalte angelegt, die eine Prüfung oder Regel bräuchten – die Angabe wird gespeichert, aber nichts reagiert darauf.
  • Anpassungen nicht dokumentiert – beim Dienstleisterwechsel muss der Nachfolger jede Einstellung einzeln nachvollziehen.
  • Den Ablauf an die erstbeste Einstellung angepasst, obwohl das Produkt eine passendere Variante vorsieht.
  • Alte Anpassungen nie zurückgebaut, obwohl der Hersteller die Funktion inzwischen selbst anbietet.

Worauf achten?

  • Für jede Anpassung festhalten, ob sie über eine vorgesehene Stellschraube oder über eine Änderung am Code läuft.
  • Im Vertrag regeln, dass Änderungen am Programmkern nur nach ausdrücklicher Freigabe erfolgen.
  • Eine Anpassungsliste führen: Zweck, Stufe, verantwortliche Person, Datum.
  • Vor jedem Update prüfen lassen, welche Anpassungen betroffen sind.
  • Die Liste einmal im Jahr mit dem aktuellen Funktionsumfang des Produkts abgleichen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Customizing?

Die Anpassung einer Standardsoftware über die Einstellungen, Felder, Regeln und Erweiterungspunkte, die der Hersteller dafür vorsieht. Der Programmkern bleibt dabei unverändert.

Was ist der Unterschied zwischen Customizing und Modifikation?

Customizing nutzt vorgesehene Stellschrauben und übersteht Updates. Eine Modifikation verändert den Programmcode des Herstellers und muss bei jedem Versionswechsel geprüft und oft neu eingebaut werden.

Wie viel Customizing ist sinnvoll?

So viel, wie der Ablauf verlangt, jeweils auf der niedrigsten Stufe, die ihn abbildet. Wächst die Liste der Anpassungen stetig, lohnt die Prüfung, ob ein anderes Produkt oder eine Eigenentwicklung besser passt.

Wer ist für das Customizing verantwortlich?

Umgesetzt wird es meist vom Einführungspartner. Die fachliche Verantwortung für Regeln und Felder bleibt beim Betrieb, der dafür eine zuständige Person benennt.