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Alt-Texte und Bildbeschreibungen:
der übersehene Hebel für Barrierefreiheit und Sichtbarkeit

Alt-Texte gelten als technisches Detail, das man schnell nachträgt oder ganz vergisst. Dabei entscheiden sie mit darüber, ob ein Bild für alle Besucher lesbar ist und ob Suchmaschinen es überhaupt erfassen können.

11 Min. Lesezeit17. Juli 2026

Auf den meisten Unternehmens-Websites tragen Bilder einen erheblichen Teil der Aussage: Produktfotos, Referenzaufnahmen, Team-Bilder, Diagramme. Für einen sehenden Besucher erschließt sich ihr Inhalt in Sekunden. Für einen Teil der Nutzer und für jede Suchmaschine bleibt dieser Inhalt jedoch verschlossen, solange er nicht in Worten hinterlegt ist.

Genau diese Aufgabe erfüllt der Alt-Text. Er ist eine der wenigen Stellen, an denen sich Barrierefreiheit und Auffindbarkeit mit demselben Handgriff verbessern lassen. Wer Alt-Texte pflegt, macht die eigene Website für Menschen mit Seheinschränkung nutzbar und liefert Suchmaschinen zugleich die Information, die sie für die Bildersuche und die Themen-Einordnung brauchen. Dieser Beitrag zeigt, wie gute Bildbeschreibungen entstehen — und woran schwache erkennbar sind.

Vom Bild zur Bildbeschreibung

Vier Schritte zu einem tragfähigen Alt-Text

1. Funktion klären
Informativ?Dekorativ?Verlinkt?
Weichenstellung
2. Inhalt erfassen
Was ist zu sehen?Was ist wichtig?Was trägt Aussage?
Kern
3. Kontext einbeziehen
Umgebender TextZweck im AbsatzKeine Dopplung
Einordnung
4. Knapp formulieren
Ein SatzSachlichOhne Floskeln
Ergebnis

Der erste Schritt entscheidet: Ein dekoratives Bild braucht keine Beschreibung, ein informatives immer

Was ein Alt-Text ist

Ein Alt-Text ist eine kurze Textbeschreibung eines Bildes, die im Quelltext einer Website hinterlegt wird und den Bildinhalt in Worte fasst. Der Name leitet sich vom Attribut ab, in dem er technisch steht — dem Alternativtext-Attribut eines Bildes. Für den normalen Besucher bleibt er unsichtbar, solange das Bild wie vorgesehen lädt.

Sichtbar oder hörbar wird der Alt-Text in genau den Momenten, in denen das Bild selbst seine Aufgabe nicht erfüllen kann. Ein Screenreader liest ihn vor, wenn ein Mensch mit Seheinschränkung die Seite bedient. Ein Browser zeigt ihn an, wenn ein Bild nicht geladen werden kann. Eine Suchmaschine wertet ihn aus, weil sie den reinen Bildinhalt nur eingeschränkt erfassen kann. In all diesen Fällen tritt der Alt-Text an die Stelle des Bildes und trägt dessen Aussage weiter.

Daraus ergibt sich der Anspruch an einen guten Alt-Text: Er soll das Bild so beschreiben, dass jemand, der es nicht sieht, die für den Seiteninhalt wesentliche Information erhält. Das ist ein anderer Anspruch als der an einen Werbetext oder eine ausschmückende Bildunterschrift. Es geht um die sachliche Wiedergabe dessen, was das Bild an dieser Stelle leistet.

Der doppelte Nutzen: zugänglich und auffindbar

Alt-Texte gehören zu den seltenen Maßnahmen, die zwei getrennte Ziele mit einem einzigen Text bedienen. Beide Ziele haben in den vergangenen Jahren an Gewicht gewonnen — das eine durch die Gesetzeslage, das andere durch die Entwicklung der Suche.

Barrierefreiheit: der gesetzliche Anspruch

Menschen mit Seheinschränkung bedienen Websites häufig über einen Screenreader, der Inhalte vorliest. Ein Bild ohne Alt-Text erscheint diesem Werkzeug als Leerstelle oder wird mit dem Dateinamen vorgelesen, was den Lesefluss stört und keine Information liefert. Mit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz gehören Alt-Texte für viele Unternehmen seit 2025 zu den verbindlichen Anforderungen. Was genau das Gesetz umfasst und für wen es gilt, ordnet der Beitrag zur barrierefreien Website nach dem BFSG ein.

Sichtbarkeit: die technische Voraussetzung

Eine Suchmaschine sieht ein Bild nicht so, wie ein Mensch es sieht. Sie ist auf Textsignale angewiesen, um den Inhalt einzuordnen — und der Alt-Text ist das stärkste dieser Signale. Ohne ihn bleibt ein Bild für die Bildersuche weitgehend unsichtbar und trägt nichts zum Verständnis der Seite bei. Ein beschreibender Alt-Text hingegen macht das Bild auffindbar und stützt das Thema der ganzen Seite.

Der Aufwand, beide Ziele zu erreichen, fällt nur einmal an. Wer beim Einpflegen eines Bildes einen sauberen Alt-Text setzt, erfüllt die Barrierefreiheits-Anforderung und verbessert die Auffindbarkeit im selben Arbeitsschritt.

Praxis-Tipp:

Prüfen Sie einen Alt-Text mit einer einfachen Vorstellung: Jemand liest Ihnen die Seite am Telefon vor und kommt an dieses Bild. Was müsste er sagen, damit Sie die Aussage verstehen? Genau dieser Satz gehört in den Alt-Text — nicht mehr und nicht weniger.

Alt-Text, Bildunterschrift, Dateiname: die Unterschiede

Rund um ein Bild gibt es mehrere Textfelder, die oft verwechselt werden. Sie haben unterschiedliche Aufgaben, und erst im Zusammenspiel entsteht ein sauber ausgezeichnetes Bild. Vier Felder sind zu unterscheiden.

  • Alt-Text: Beschreibt den Bildinhalt für alle, die das Bild nicht sehen. Unsichtbar im normalen Betrieb, vorgelesen durch Screenreader, ausgewertet durch Suchmaschinen.
  • Bildunterschrift: Sichtbarer Text unter dem Bild für jeden Leser. Ergänzt Kontext, Quelle oder eine Aussage, die über das Motiv hinausgeht.
  • Dateiname: Der Name der Bilddatei. Ein sprechender Dateiname liefert Suchmaschinen ein zusätzliches, schwächeres Signal zum Bildinhalt.
  • Titel-Attribut: Ein optionaler Text, der bei manchen Geräten als Sprechblase erscheint. Für Barrierefreiheit unzuverlässig und kein Ersatz für den Alt-Text.

Die wichtigste Abgrenzung verläuft zwischen Alt-Text und Bildunterschrift. Der Alt-Text beantwortet die Frage, was auf dem Bild zu sehen ist. Die Bildunterschrift beantwortet die Frage, was der Betrachter darüber hinaus wissen soll. Ein Referenzfoto einer fertigen Anlage könnte im Alt-Text schlicht die Anlage benennen und in der Bildunterschrift den Ort und das Jahr der Fertigstellung nennen. Beide Texte ergänzen sich, ohne sich wortgleich zu wiederholen.

Auch der Dateiname verdient Beachtung, gerade bei Aufnahmen aus dem eigenen Betrieb. Ein Bild, das aussagekräftig benannt und beschriftet ist, wird eher gefunden und richtig eingeordnet als eine Datei mit kryptischer Nummernfolge. Wie viel eine gute Bildpflege für Referenzen bewirkt, zeigt der Beitrag zu Baustellenfotos als Referenz.

Wie ein guter Alt-Text aufgebaut ist

Ein tragfähiger Alt-Text folgt wenigen Regeln, die sich für jedes Bild anwenden lassen. Sie sorgen dafür, dass die Beschreibung ihren Zweck erfüllt, ohne beim Vorlesen zu ermüden oder ins Werbliche abzugleiten.

  1. Den Inhalt benennen, nicht das Medium: Beschreiben Sie, was zu sehen ist, ohne mit „Bild von" oder „Foto zeigt" zu beginnen. Screenreader kündigen ohnehin an, dass ein Bild folgt.
  2. Das Wesentliche zuerst: Nennen Sie den für die Seite entscheidenden Bildinhalt am Anfang. Nebensächliches gehört ans Ende oder ganz weg.
  3. Kontext einbeziehen: Ein und dasselbe Bild kann in verschiedenen Zusammenhängen unterschiedliche Alt-Texte verdienen — je nachdem, welche Aussage es an dieser Stelle trägt.
  4. Knapp bleiben: Ein Satz genügt in den meisten Fällen. Wird eine ausführliche Beschreibung nötig, gehört sie in den Fließtext oder die Bildunterschrift.
  5. Sachlich formulieren: Der Alt-Text beschreibt, er wirbt nicht. Wertende Adjektive und Verkaufssprache haben hier keinen Platz.

Ein Beispiel verdeutlicht den Unterschied. Ein schwacher Alt-Text zu einem Produktfoto lautet „Bild1234" oder „unser tolles Produkt". Ein tragfähiger Alt-Text benennt schlicht, was zu sehen ist: welches Produkt, in welcher Ausführung, in welcher Situation. Diese sachliche Beschreibung nützt dem Screenreader-Nutzer und der Suchmaschine gleichermaßen.

Die Begriffe im Alt-Text sollten sich an der Sprache der Zielgruppe orientieren. Wer ein Bauteil so benennt, wie Kunden es suchen, wird eher gefunden als mit einer rein internen Bezeichnung. Der Gedanke dahinter vertieft sich im Beitrag zur Lücke zwischen Fachsprache und Suchfeld.

Wann ein Bild einen Alt-Text braucht

Die verbreitete Annahme, jedes Bild müsse eine ausführliche Beschreibung bekommen, führt in die Irre. Entscheidend ist die Funktion des Bildes auf der Seite. Drei Fälle sind zu unterscheiden.

Informative Bilder: beschreibender Alt-Text

Bilder, die eigene Information tragen — Produktfotos, Diagramme, Referenzaufnahmen, Porträts —, bekommen einen beschreibenden Alt-Text. Ohne ihn geht die Aussage für einen Teil der Nutzer und für die Suche verloren. Diese Bilder sind der Regelfall auf einer Unternehmens-Website.

Dekorative Bilder: leeres Alt-Attribut

Bilder ohne eigene Aussage — Hintergrundverläufe, schmückende Grafiken, Trennelemente — erhalten ein leeres Alt-Attribut. So überspringt der Screenreader sie, statt den Lesefluss mit einer belanglosen Beschreibung zu unterbrechen. Ein leeres Attribut ist hier die bewusste, richtige Wahl. Es unterscheidet sich von einem fehlenden Attribut, das Werkzeuge zur Prüfung der Barrierefreiheit als Fehler melden.

Verlinkte Bilder: das Ziel beschreiben

Ist ein Bild zugleich ein Link, gehört in den Alt-Text das Ziel des Links. Ein anklickbares Vorschaubild, das zu einer Leistungsseite führt, trägt im Alt-Text die Funktion dieses Links, damit ein Screenreader-Nutzer weiß, wohin der Klick führt.

Häufiger Fehler:

Dekorative Bilder bekommen einen Alt-Text wie „dekoratives Element" oder eine Beschreibung des Verlaufs. Für den Screenreader-Nutzer entsteht so eine Kette bedeutungsloser Ansagen, die das Lesen erschwert. Dekoration gehört mit leerem Alt-Attribut versehen, damit sie übersprungen wird.

Was Alt-Texte für die Sichtbarkeit leisten

Für die Auffindbarkeit einer Website wirken Alt-Texte auf zwei Ebenen, die beide an Bedeutung gewinnen, je stärker Suche und KI-Systeme auf Textsignale angewiesen sind.

Auf der ersten Ebene ist der Alt-Text die Voraussetzung dafür, dass ein Bild in der Bildersuche überhaupt erscheinen kann. Für viele Betriebe ist die Bildersuche ein unterschätzter Zugang: Wer nach einem Produkt oder einer Referenz sucht, findet den Weg zur Website oft über ein Bild. Ohne beschreibenden Alt-Text bleibt dieser Weg verschlossen.

Auf der zweiten Ebene helfen Alt-Texte, das Thema der gesamten Seite einzuordnen. Suchmaschinen und KI-Systeme lesen alle Textsignale einer Seite, um zu verstehen, worum es geht — und die Bildbeschreibungen zählen dazu. Eine Seite, deren Bilder sauber beschrieben sind, gibt ein klareres Bild ihres Themas ab als eine, auf der die Bilder stumm bleiben. Welche weiteren Stellschrauben die Auffindbarkeit in KI-gestützten Antwortsystemen stärken, führt der Beitrag zur Sichtbarkeit in KI-Suchen aus.

Der Wirkung sind Grenzen gesetzt. Ein Alt-Text, der mit Suchbegriffen überladen ist, verfehlt seinen Zweck und wird als Manipulationsversuch gewertet. Die zuverlässige Regel bleibt die sachliche Beschreibung: Ein Alt-Text, der das Bild ehrlich benennt, enthält die passenden Begriffe von selbst, weil sie zum Bildinhalt gehören.

Die häufigsten Fehler

Bei der Durchsicht mittelständischer Websites wiederholen sich einige Muster rund um Bildbeschreibungen. Jedes kostet den Alt-Text einen Teil seiner Wirkung — für die Barrierefreiheit, für die Sichtbarkeit oder für beides.

1
Gar kein Alt-Text

Das Attribut fehlt — Screenreader und Suche stehen vor einer Leerstelle

2
Dateiname als Alt-Text

„IMG_4821.jpg" wird vorgelesen und liefert keine Information

3
Keyword-Stapel

Eine Aneinanderreihung von Suchbegriffen statt einer Beschreibung

4
Dekoration beschrieben

Belanglose Ansagen unterbrechen den Lesefluss beim Screenreader

5
Werbetext statt Beschreibung

Wertende Adjektive verfehlen die sachliche Wiedergabe des Motivs

6
Wortgleich zur Bildunterschrift

Alt-Text und Unterschrift wiederholen sich, statt sich zu ergänzen

Die Fehler 1 bis 3 wiegen am schwersten: Ein fehlender, aus dem Dateinamen erzeugter oder mit Begriffen überladener Alt-Text schadet Zugänglichkeit und Sichtbarkeit zugleich.

Der gemeinsame Nenner dieser Fehler ist die Behandlung des Alt-Textes als lästige Pflichtangabe. Ein Alt-Text, der aus dem Bildinhalt heraus geschrieben wird, vermeidet alle sechs Muster von selbst — er benennt sachlich, was zu sehen ist, und überlässt Dekoration und Werbung anderen Feldern.

Woran gute Bildbeschreibungen erkennbar sind

Ob die Bilder einer Website sauber ausgezeichnet sind, zeigt sich an einigen wiederkehrenden Merkmalen. Diese eignen sich zur Kontrolle des bestehenden Bestands ebenso wie als Zielvorgabe beim Einpflegen neuer Aufnahmen.

Jedes informative Bild trägt eine Beschreibung

Produktfotos, Diagramme und Referenzaufnahmen sind in Worten hinterlegt, nicht nur eingebunden

Dekoration ist bewusst leer ausgezeichnet

Schmückende Bilder tragen ein leeres Alt-Attribut und werden übersprungen

Die Beschreibung passt zum Kontext

Der Alt-Text trägt die Aussage, die das Bild an dieser Stelle im Text hat

Alt-Text und Bildunterschrift ergänzen sich

Sie sagen Unterschiedliches über dasselbe Bild, ohne sich zu wiederholen

Wer diese vier Merkmale erfüllt, hat die Bilder der eigenen Website an einer Stelle verbessert, die selten Aufmerksamkeit bekommt und doppelt wirkt. Die Arbeit fällt beim Einpflegen jedes Bildes einmal an und trägt danach dauerhaft — für jeden Besucher, der auf einen Screenreader angewiesen ist, und für jede Suche, die den Weg zur Website über ein Bild findet. Wie Bildmaterial insgesamt rechtssicher und wirksam aufgebaut wird, ordnet der Beitrag zur Bildwelt zwischen Stockfoto und eigenem Shooting ein.

Häufig gestellte Fragen

Ein Handgriff mit doppelter Wirkung

Alt-Texte bleiben im Alltag oft ungeschrieben, weil ihr Nutzen unsichtbar ist: Der sehende Besucher merkt nichts von ihrem Fehlen. Erst der Screenreader-Nutzer und die Suchmaschine spüren die Lücke — und beide zählen zu den Gruppen, die eine Website nicht übergehen sollte.

Der Aufwand ist gering, wenn Alt-Texte beim Einpflegen jedes Bildes mitgedacht werden. Eine sachliche Beschreibung dessen, was zu sehen ist, genügt in den meisten Fällen. Sie macht das Bild für alle lesbar und für die Suche erfassbar — ein Text, der zwei Aufgaben zugleich erfüllt und dauerhaft weiterarbeitet.

ÜBER DIE AUTORIN
Dagmar Seebo, CEO von ProXWorks®Dagmar Seebo

Dagmar Seebo, B.A., ist seit 1999 im E-Commerce tätig. Als CEO von ProXWorks® verbindet sie über 27 Jahre Marketing-Erfahrung mit digitalem Know-how.

Die Inhalte entstehen unter redaktioneller Verantwortung und fachlicher Prüfung unter Einsatz moderner KI-gestützter Systeme.

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