Web-Entwicklung

Low-Code-Plattform

Eine Low-Code-Plattform ist eine Entwicklungsumgebung, in der Abläufe, Formulare und kleine Anwendungen überwiegend aus vorgefertigten Bausteinen grafisch zusammengesetzt werden; Programmcode entsteht nur an den Stellen, die die Bausteine nicht abdecken.

Low-Code-Plattformen sind das übliche Werkzeug der [[citizen-developer|Citizen Developer]] in den Fachabteilungen und liegen zwischen fertiger [[standardsoftware|Standardsoftware]] und programmierter [[individualsoftware|Individualsoftware]].

In einfachen Worten

Auf einer Low-Code-Plattform zieht man Bausteine auf eine Arbeitsfläche und verbindet sie: einen Auslöser, eine Abfrage an ein anderes System, eine Bedingung, eine Benachrichtigung. Die Plattform setzt diese Anordnung in einen ausführbaren Ablauf um und betreibt ihn. Wo ein Baustein fehlt, etwa für eine besondere Rechenregel, ergänzt ein Entwickler ein Stück Code. No-Code bezeichnet die Variante ganz ohne Programmiermöglichkeit; sie ist schneller erlernt und endet an den Grenzen der vorhandenen Bausteine. Der Gewinn liegt in der Geschwindigkeit: Ein Ablauf, den die Fachabteilung genau kennt, entsteht in Tagen und wird von denselben Leuten angepasst, die ihn nutzen. Der Preis liegt in der Bindung an die Plattform. Die Abläufe sind in ihrem Format gespeichert und lassen sich in der Regel nur durch Neubau zu einem anderen Anbieter mitnehmen. Mit wachsender Zahl der Abläufe entsteht ein eigener Bestand, der Dokumentation, Zuständigkeiten und Tests braucht wie jede andere Software.

Wozu brauche ich das?

Low-Code eignet sich für Abläufe mit klaren Regeln und einer überschaubaren Zahl beteiligter Systeme: Genehmigungen, Formularstrecken, Benachrichtigungen, einfache Datenübertragungen. Grenzen zeigen sich bei hoher Last, bei verschachtelter Geschäftslogik und bei Vorgängen, die über viele Jahre unverändert stabil laufen müssen. Dort ist eine programmierte Lösung im Betrieb meist wirtschaftlicher.

Beispiel aus der Praxis

Eine Steuerkanzlei mit drei Standorten bildet die Urlaubsanträge auf einer Low-Code-Plattform ab. Der Antrag läuft über ein Formular, die Teamleitung genehmigt per Klick, der gemeinsame Kalender wird aktualisiert. Die Büroleitung hat den Ablauf selbst eingerichtet und passt ihn an, wenn sich die Vertretungsregeln ändern. Als die Kanzlei auch die Mandantenkommunikation über die Plattform steuern will, zeigt sich die Grenze: Die Anbindung an die Kanzleisoftware erfordert eine eigene Schnittstelle, die ein Entwickler programmiert. Der Urlaubsablauf bleibt auf der Plattform, die Mandantenanbindung wird klassisch entwickelt.

Wirtschaftlicher Nutzen

Low-Code verkürzt den Weg von der Idee zum laufenden Ablauf und entlastet die IT von kleinen Aufträgen. Der wirtschaftliche Nutzen hängt davon ab, ob der Bestand an Abläufen gepflegt wird: Ein dokumentierter Ablauf mit fester Zuständigkeit spart dauerhaft Arbeitszeit, ein verwaister Ablauf erzeugt Fehler, sobald sich ein angebundenes System ändert.

Typische Fehler

  • Abläufe ohne Zuständigkeit einrichten, die niemand mehr pflegt, sobald die Person die Abteilung verlässt.
  • Personenbezogene Daten über die Plattform verarbeiten, ohne Speicherort und Auftragsverarbeitung zu prüfen.
  • Verschachtelte Geschäftslogik in Dutzende Bausteine zwängen, die niemand mehr überblickt.
  • Die Bindung an die Plattform erst bemerken, wenn sich Preise oder Nutzungsbedingungen ändern.
  • Abläufe direkt im laufenden Betrieb ändern, ohne sie vorher zu testen.

Worauf achten?

  • Für jeden Ablauf eine verantwortliche Person und eine kurze Beschreibung festhalten.
  • Vor der Auswahl klären, wo die Plattform Daten speichert und ob ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung vorliegt.
  • Regeln festlegen, welche Abläufe die Fachabteilung selbst einrichtet und welche über die IT laufen.
  • Prüfen, ob sich Abläufe exportieren lassen und in welchem Format.
  • Abläufe, die Zahlungen auslösen oder Kundendaten ändern, mit Freigabe und Protokoll versehen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Low-Code und No-Code?

Low-Code setzt Anwendungen überwiegend aus Bausteinen zusammen und erlaubt an einzelnen Stellen eigenen Programmcode. No-Code verzichtet ganz auf Code; es ist schneller erlernt und endet dort, wo die vorhandenen Bausteine nicht ausreichen.

Für wen eignet sich eine Low-Code-Plattform?

Für Fachabteilungen, die ihre Abläufe genau kennen und kleine Automatisierungen selbst einrichten und anpassen wollen. Voraussetzung sind klare Regeln, welche Abläufe dort entstehen dürfen, und eine Zuständigkeit je Ablauf.

Lassen sich Low-Code-Abläufe zu einem anderen Anbieter umziehen?

In der Regel nur durch Neubau. Die Abläufe sind im Format der Plattform gespeichert; ein Export liefert meist eine Beschreibung, die eine andere Plattform nicht direkt ausführen kann.